Praxisleitfäden
💡 Hinweis: Unsere Leitfäden geben einen fundierten Überblick. Für die konkrete Umsetzung in Ihrem Unternehmen empfehlen wir ein individuelles Beratungsgespräch – kostenlos und unverbindlich.
KRITIS-Dachgesetz 2026
Das KRITIS-Dachgesetz (KRITISDachG) ist das erste nationale Gesetz, das physische Sicherheitsanforderungen für kritische Infrastrukturen verbindlich regelt. Es setzt die EU-Richtlinie 2022/2557 (CER-Richtlinie) in deutsches Recht um und ergänzt das bisherige KRITIS-Regime des BSI-Gesetzes um einen eigenständigen Resilienzrahmen.
Betroffene Sektoren
- Energie: Strom, Gas, Fernwärme, Öl – Schwellenwert meist ab 100.000 Versorgte
- Verkehr: Bahn, Flughäfen, Häfen, Straßen – nach Durchsatz und strategischer Bedeutung
- Gesundheit: Krankenhäuser ab 30.000 stationäre Fälle/Jahr, Labore, Pharmaproduzenten
- Trinkwasser / Abwasser: Versorgungsunternehmen ab 300.000 Einwohner-Äquivalente
- Digitale Infrastruktur, Weltraum, Lebensmittel, Banken, Finanzmarkt, Verwaltung
NIS2 und physische Sicherheit (§30 BSIG)
Das NIS2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG) gilt seit dem 6. Dezember 2025 ohne Übergangsfrist für über 30.000 Unternehmen in Deutschland. §30 BSIG fordert explizit physische Sicherheitsmaßnahmen als Teil des Risikomanagements.
Physische Pflichten nach §30 Abs. 2 BSIG
- Zugangssicherung: Physische Zugangskontrolle zu sensiblen Bereichen und IT-Systemen
- Schutz der physischen Umgebung: Serverräume, Technikräume, Netzknoten
- Schutz vor Diebstahl und Vandalismus: Einbruchmeldeanlage, Videoüberwachung
- Notfall- und Krisenmanagement: BCM mit physischen Wiederherstellungsprozessen
- Personalsicherheit: Zuverlässigkeitsprüfungen für Mitarbeiter mit Zugang zu kritischen Systemen
Geschäftsführerhaftung (§38 BSIG)
§38 BSIG führt die persönliche, nicht übertragbare Haftung der Geschäftsleitung ein. Das bedeutet: Tritt ein Sicherheitsvorfall auf, der durch angemessenes Sicherheitsmanagement hätte verhindert werden können, haftet die Geschäftsführung persönlich – auch wenn kein Vorsatz vorliegt.
Risikoanalyse für physische Sicherheit
Eine professionelle Risikoanalyse ist die Grundlage jedes Sicherheitskonzepts – und gesetzliche Pflicht nach KRITIS-Dachgesetz und NIS2. Sie bewertet Bedrohungen systematisch anhand von Eintrittswahrscheinlichkeit × Schadensausmaß.
Die 5 Schritte einer physischen Risikoanalyse
💡 SecureStay Analytics unterstützt diese Methodik digital: Die interaktive 10×10 Risikomatrix visualisiert Risiken in Echtzeit und dokumentiert alle Maßnahmen revisionssicher.
Glossar: Physische Sicherheit
Relevante Normen & Standards
| Norm / Gesetz | Thema | Relevant für |
|---|---|---|
| KRITISDachG | Physische Resilienzpflichten kritischer Infrastrukturen | ~1.300 KRITIS-Betreiber in 11 Sektoren |
| §30 BSIG (NIS2) | Physische Sicherheit als Risikomanagementpflicht | 30.000+ NIS2-pflichtige Unternehmen |
| ISO 31000:2018 | Risikomanagement – Grundsätze und Leitlinien | Alle Unternehmen, KRITIS, NIS2 |
| DIN EN 1627 | Einbruchhemmung – Widerstandsklassen RC 1–6 | Türen, Fenster, Abschlüsse, Tresore |
| DIN VDE 0833 | Gefahrenmeldeanlagen (Einbruch, Überfall, Brand) | EMA-Planung, Zertifizierung |
| VdS 2311 / VdS 3138 | Richtlinien für Einbruchmeldeanlagen (Klassen A, B, C) | Versicherungen, KRITIS, Behörden |
| IWA 14-1 / PAS 68 | Fahrzeugrammsperren und Perimeterschutzsysteme | KRITIS-Betreiber, öffentliche Einrichtungen |
| DIN 77200 | Sicherungsdienstleistungen – Anforderungen an Unternehmen | Dienstleister, Qualitätsnachweise |
| ISO 22301:2019 | Business Continuity Management (BCM) | KRITIS-Pflicht, NIS2, Großunternehmen |
| TR KRITIS (BSI) | Technische Richtlinien des BSI für KRITIS-Betreiber | KRITIS-Betreiber nach BSI-Gesetz |
| CER-Richtlinie (EU 2022/2557) | Resilienz kritischer Einrichtungen (EU-Grundlage) | Alle EU-Mitgliedstaaten, KRITIS |
| NIS2-Richtlinie (EU 2022/2555) | Netz- und Informationssicherheit (incl. physisch) | NIS2-pflichtige Unternehmen EU-weit |
Fristen & Compliance-Timeline
⚠️ Handlungsbedarf jetzt: Wer noch kein professionelles Sicherheitskonzept hat, sollte sofort starten – die BBK-Registrierung startet im Juli 2026, die Risikoanalyse braucht Vorlaufzeit. Jetzt Erstgespräch vereinbaren →
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Zugangskontrolle zu kritischen Bereichen und Systemen
- Schutz vor unbefugtem physischen Zugang
- Sicherung von Serverräumen und Technikräumen
- Maßnahmen gegen Diebstahl und Vandalismus
- Notfall- und Krisenmanagement mit physischen Komponenten
- Kleines KMU (bis 50 MA): 5.000 – 8.000 €
- Mittelständler (50–250 MA): 8.000 – 15.000 €
- Großunternehmen / komplexe Liegenschaft: ab 15.000 €
- KRITIS-Betreiber: Individualpreis nach Umfang
- Mechanisch: Zäune, Mauern, Poller, Fahrzeugsperren (PAS 68/IWA 14)
- Elektronisch: Bewegungsmelder, Perimeter-Videosysteme, Alarmierung
- Baulich: Sicherheitszonen, Schleusen, Einlassbereiche
- Organisatorisch: Zutrittskontrollpolitik, Ausweispflichten
- Innerhalb von 9 Monaten nach Registrierung: Risikoanalyse muss vorliegen
- Innerhalb von 10 Monaten: Resilienzplan muss umgesetzt sein
- Alle 4 Jahre: Aktualisierungspflicht